Kannibalismus: Grasnadelmännchen fressen den selbst bebrüteten Nachwuchs
Bisher
war es nur eine wage Vermutung, nun ist es bewiesen, Grasnadeln, Verwandte der Seepferdchen und Fetzenfische, fressen ihren Nachwuchs, zumindest die Männchen. Wie bei allen Mitglieder dieser zu den Fischen gehörenden Tiergruppe, übergeben die Weibchen die befruchteten Eier an die Männchen. Je nach Art und Familie brüten Seepferdchen und Co. ihre Eier verschieden aus, bei genannten hält das Männchen die Kleinen in einer Bauchtasche, bei den Fetzenfischen werden die Eier an den Schwanz des Männchen geheftet oder geklebt und bei den Grasnadeln besitzt der "Mann" ebenfalls einen "Brustbeutel".
Bei einem Experiment haben Wissenschaftler die Weibchen der Grasnadeln mit radioaktiven Aminosäuren in Kontakt gebracht, sie legten so auch schwach radioaktive Eier. Die Weibchen verlassen das Männchen nach der Eiübergabe, er hat sich jetzt allein durchzuschlagen. Schon nach kurzer Zeit erkannte man Anzeichen von Radioaktivität in der Leber und den Muskeln des Vaters. Die Diagnose: Kannibalismus!
Der Vater hat die Jungen gefressen, wenn auch nur einen Teil der großen Brut. Unklar ist, ob er gezielt schwache oder verletzte Jungen fraß um so die Chancen der anderen zu verbessern, oder ob er nur kurz einen Snack zu sich nahm.
Zumindest konnte eine Vermutung widerlegt werden, warum immer wieder Junge unauffindbar aus dem Brustbeutel verschwinden, jene dass die Jungtiere sich gegenseitig auffressen.
Etwas ähnliches kennt man vom Sandtigerhai: Die mehreren Jungen töten und fressen sich innerhalb der Gebärmutter, normalerweise kommt nur ein einziger Junghai zur Welt.
(Bild: Kopf einer Grasnadel by Massimiliano De Martino)